Rotationsenergie Part ll
Rückblickend kann ich nicht mal mehr ahnen wie viele vergeudete Stunden zwischen Wut, Trauer, Schmerz und Panik diese Nächte gefüllt haben." (2008)
"Rückblickend" konnte ich nicht ahnen wie viele dieser gefüllten Nächte noch folgen sollen. Aber soviel ist sicher: Es existiert dieser bescheuerte Schalter einfach nicht!
Aneinandergereiht wie eine hässliche verdreckte Perlenkette ziehen sie wie eine einzige an mir vorbei. Die Zeit haftet boshaft an ihr.
Die Rotationsenergie ist eine verlässliche Variable in einem immer noch laufenden Spiel. Der Zug, der seinen Bahnhof nie erreicht. Wir hämmern mit Fäusten gegen Fenster, rütteln an Türen von Abteilen und erreichen damit nichts. Er hält in hässlichen Bahnhöfen und manchmal mitten auf den Gleisen an, ich erhasche einen gestohlenen Blick, doch Türen öffnen sich für uns nicht.
Die dämlichen Dämonen, treu und vertraut, sitzen gleichmäßig verteilt und jeder wie festgenagelt auf seinem Sitz. So wühlen sie stoisch in ihren Kisten und bewerfen mich weiter mit ihrer unattraktiven Fracht. Auch ihre Erzeuger sind verlässlich mit an Bord, schleichen sich immer noch und immer wieder in den von ihnen geprägten Geist. Halten uns umklammert, flüstern vergiftet und intrusiv ihre kontaminierenden Weisen in den hintersten Winkel des gefolterten Kopfes, der oft immer noch nicht begreift dass der Großteil von ihnen längst zu Staub geworden ist. Fesseln so massiv dass nichts in der Welt sie hat gelöst. Gehöre ihnen immer noch. "Traumabindung", eine der tiefsten Symbiosen auf dieser abgefuckten Welt. Die Bindung, die neben unauslöschbaren Perversionen ebenso unlöschbare Verhaltensweisen dirigiert und Reaktionen im Kopf, wie auch im Körper, zuverlässig wie eine Cäsium 133 Uhr abspulen kann. Die Nacht ist, wen wundert es, der denkbar geeignetste Ort für diese Garnitur.
Doch es gibt auch sie: Die Nächte des gnadenlos wiederkäuenden unspektakulären Krams und ich kann inzwischen nicht einmal mehr ausmachen welches Gedankenkarussell davon das abartigere ist.